Lieber Franz Josef Wagner
- Eine Reaktion auf Franz Josef Wagners offenen Brief an Edward Snowden

Eigentlich ist dieser Schund nicht wert, überhaupt noch mehr Beachtung zu finden. Beantwortet wurde er bereits, einen (inaktiven) Hashtag gibt es auch schon  - wir haben einmal alle sehr gelacht, also warum ich jetzt auch noch, noch dazu Tage später?

Ganz einfach - wo sonst bekommt man einmal eine so schöne Gelegenheit, das Rhetorische Quartett (Disclaimer: Eigenwerbung) aus der Tasche zu ziehen und mal gründlich Fehlschlüsse zu analysieren? Also, ran an den Speck.

Der Beitrag besteht aus 12 Sätzen und einigen Aufzählungskonstrukten, die keine Sätze sind. Der Autor hat eine Facebook-Fanpage, einen Wikipedia-Eintrag und offensichtlich einen Dachschaden. Seine Argumentation ist wirr, sprunghaft und so naiv, dass das doch irgendwie Satire sein muss. Dass sie es nicht ist, ist erschreckend - mit Journalismus hat der Beitrag nichts mehr gemein und erinnert allenfalls an einen konfusen, längst in die Unsichtbarkeit downgevoteten Spontanpost einer unmoderierten Kommentarspalte.

Lieber Edward Snowden,
Darf ich Ihnen erklären, warum Sie kein Asyl in Deutschland bekommen.

Grammatikalisch ist das eine Frage, wenn auch eine rhetorische, da Wagner fortfährt, seine “Erklärung” zu unterbreiten, ob er nun Erlaubnis dazu erhält oder nicht. Inhaltlich ist dieser Satz vor allem bevormundend. Wenn Franz Josef Wagner ernsthaft glaubt, Edward Snowden müsse sich von ihm irgendetwas erklären lassen, ist das an sich schon lustig. Dass Wagner an dieser Entscheidung selbst nicht beteiligt war, also gar nicht in einer Position ist, sie zu begründen, wiegt schon schwerer. 

DeutungshoheitDeutungshoheit, Brunnen vergiften: Dass Wagner überhaupt in einem offenen  Brief zu einer Erklärung ansetzt, erweckt den Anschein, Snowden selbst  hätte diese Frage gestellt oder wäre an ihrer Beantwortung durch den  Erklärenden interessiert. Die Absichtserklärung, hier jemandem etwas  beizubringen, stellt den Autoren als Sachkundigen dar. Hier wird bereits  zu Beginn der Argumentation ein Rahmen um diese gezogen, den Wagner  selbst festlegt. 

Brunnen vergiftenKorrekt müsste dieser Satz lauten: “Ich erkläre Ihnen jetzt, welche möglichen Gründe ich dafür sehe, dass Sie in Deutschland kein Asyl erhalten.” Es handelt sich hier also nur um Spekulation. Dass diese auch sonst nicht gerade auf  festen Füßen steht, sehen wir im Folgenden.

 

 

Sie bekommen kein Asyl, weil wir Amerika sind. 

Chewbacca-VerteidigungDieser Satz hat keinerlei Aussagekraft, weil weder “wir” noch “Amerika”  konkret definiert werden. Nehmen wir der Fairness halber einmal an, Wagner verwende “Amerika” hier umgangssprachlich als Synonym für die USA (ich entschuldige mich hiermit stellvertretend für Wagner bei Kanada, Süd- und Mittelamerika, sowie beim ganzen Kontinent, der sich diese Selbstzuschreibung durch Boulevardjournalisten schließlich nicht ausgesucht hat.) 

Kein wahrer SchotteWeiterhin ist es für die Analyse der Aussage nötig, “wir” zu interpretieren. Ein Bestandteil des wir ist durch die Person Wagners selbst gegeben, der ja aus Ich-Perspektive schreibt. Nun stellt sich die Frage, welche Gruppe oder Gemeinschaft er in sein wir mit einschließen möchte. Aus vergangenen Schlagzeilen der BILD, für die  Wagner schreibt, lässt sich absehen, dass “wir” in diesem Medium entweder (seltener) für die BILD-Redaktion oder aber (meistens) für die deutsche Bevölkerung steht. (Eine kurze Google-Suche zu “Bildzeitung wir” ergab neben “Wir sind Papst” auch “Der irre Deutsch-Libanese, der einen Supermarkt anzündete - Warum lassen wir uns von so einem  terrorisieren?” - der erste Satz des entsprechenden Artikels lautet: “Dieser Mann empört ganz Deutschland”. Besser kann man das meiner Meinung nach gar nicht illustrieren).

LügeUm es kurz zu machen: wir sind nicht Amerika. Im Kontext gesehen kann hier angenommen werden, dass auch “sein” nicht gleich “sein” bedeuten soll, sondern politische Nähe meint, also Deutschland US-Amerikanische Interessen vertritt.

Dieser Satz könnte also vielleicht heißen: “Sie haben meiner Meinung nach kein Asyl in Deutschland erhalten, weil Deutschland keine von den USA Verfolgten aufnimmt, da dies den internationalen Beziehungen schaden würde.” In dieser Fassung ist das gar nicht so weit hergeholt. Wagners weitere Begründung lässt diese Interpretation jedoch unwahrscheinlich erscheinen.

 

Wir sind es, seit Amerika uns vor den Nazis befreit hat.

Deutungshoheit Zumindest jetzt ist das “wir” einigermaßen geklärt - die USA waren tatsächlich an der Befreiung Deutschlands beteiligt, auch wenn “Amerika hat uns von den Nazis befreit” eine extreme Vereinfachung darstellt, die zudem die anderen Alliierten sowie den Rest der am Krieg beteiligten Staaten und Territorien komplett ignoriert (der Begriff “Weltkrieg” wäre  unzutreffend, hätte es sich nur um USA und Deutschland gehandelt).

Emotionale ErpressungNun ist Deutschland allerdings schon eine Weile ein souveräner Staat. Eine vergangene Befreiung bedeutet nicht die Aufgabe politischer Unabhängigkeit, zumindest nicht mehr seit dem Ende der Besatzung. Auch Dankbarkeit sollte für eine moralische Angelegenheit - und Asyl ist immer eine moralische Frage - keine Rolle spielen. Recht und Unrecht heben sich nicht gegenseitig auf, so wie gute Taten schlechte nicht weniger schlecht machen.

 

 Ja, vielleicht sind Sie der Gandhi des Internet, der Lech Walesa des Netzes.

Hinkender VergleichEs erschließt sich mir nicht, was Snowden mit Ghandi und Lech Walesa oder auch nur diese beiden miteinander zu tun haben. 

StrohmannDas “Ja, vielleicht” am Anfang dieses Satzes lässt ihn wie ein Zitat erscheinen, dem Wagner die Möglichkeit einräumt, wahr zu sein. Das wirft die Frage auf, woher der Vergleich denn ursprünglich kommt - wer sagt das; wem stimmt Wagner hier vielleicht zu?

Die Formulierung legt nahe, dass es sich hier um ein Zugeständnis an Snowden, seinen Verdienst und seine Absichten handeln soll. Gleichzeitig ist aufgrund des Satzbaus ein “aber” im nächsten Satz bereits programmiert. Wagner ist hier sogar sehr geschickt: er erkennt eine Sichtweise als valide oder zumindest möglich an und nimmt so Andersdenkenden den Wind aus den Segeln. Gleichzeitig stellt er diesen doch recht integralen Punkt als nicht relevant dar.

Warum, sehen wir im nächsten Satz:

 

Aber ich liebe Amerika.

Insignifikanz Hier findet sich das Hauptproblem des ganzen Beitrags - Deutschland soll einem politisch Verfolgten kein Asyl gewähren, weil Franz Josef Wagner Amerika liebt - das ist nicht nur hanebüchen, das zeugt auch von gravierendem Unvermögen, die eigene Wichtigkeit realistisch einzuschätzen.

IgnoranzargumentWagner mag seinen kleinen Beitrag zu Stammtischgesprächen der BILD-Leserschaft beitragen, seine Liebe zu “Amerika” kann in Asylverfahren jedoch getrost vernachlässigt werden. Ich würde Snowden schon allein daher gerne in Deutschland sehen, um mir Wagner vorzustellen, der entgeistert die Nachricht erhält und es nicht fassen kann: “Aber … aber ich liebe Amerika!”

Moralischer PragmatismusGanz egal, wie man zur NSA, zu Überwachung und zum Veröffentlichen von geheimen Dokumenten steht - die persönliche Zuneigung eines Kolumnisten zu einem Kontinent hat in dieser Angelegenheit keinen Informationsgehalt. Wagner erklärt Snowden hier nicht, warum dieser in Deutschland kein Asyl bekommt. Er erklärt, warum er selbst ihm keines gewähren würde, obwohl er ihn mit diversen Friedensnobelpreisträgern vergleicht.

 

Die Musicals.
Elvis.
Miami, New York.

Themenwechsel Hier nimmt Wagner Bezug auf das, was er an Amerika so liebt. Festzuhalten ist eigentlich nur, dass nichts davon auch nur im Geringsten mit Edward Snowden zu tun hat, und diese Auswahl für einen gesamten Staatenbund auch eher dürftig ist.

VerallgemeinerungSo werden hier zwei Städte genannt, die stellvertretend für die gesamten USA herhalten müssen. Auch Elvis und Musicals sind nicht gerade repräsentativ für eine doch recht vielschichtige Kultur.

 

Ich entscheide mich immer für Amerika. Amerika war meine Heimat, mein Dach.

SuggestionSuggestion, Fallbeispiel: Wagner scheint auf irgendeiner Ebene schon bewusst zu sein, dass er keine Aussage über die Motivation hinter der Enscheidung zum Asyl Snowdens treffen kann, und beruft sich auf den einzigen Menschen, dessen Beweggründe er genau kennt: sich selbst. Dass er sich - offenbar egal in welcher Frage - immer für Amerika entscheiden wird, kann man konsequent nennen oder undifferenziert. FallbeispielDass ihm Amerika eine Heimat, ein Dach war, sei ihm unbenommen, auch wenn sein Wikipedia-Eintrag keinen längeren dortigen Aufenthalt erwähnt. Hier wird ein Bild von den USA gezeichnet, das kaum als allgemeingültig für “uns” bezeichnet werden kann.

 

Amerika ist mir lieber als Putin. 

MissgunstIch übersetze: “Die USA sind mir lieber als Russland.” Das ist besonders daher interessant, da “wir” ja “Amerika” “sind”, seit “Amerika” “uns” von den Nazis befreit hat - nur dass eben auch Russland uns von den Nazis befreit hat und daher ähnlichen Anspruch auf bedingungslose Liebe haben sollte. Aber möglicherweise sind die Musicals dort einfach nicht so schön, und ein Miami gibt es in Russland auch nicht.

 

Armer Mensch im Niemandsland.

UmdeutungZunächst nahm ich an, dass sich das auf Putin beziehen müsse, wahrscheinlicher ist jedoch, dass damit Snowden selbst gemeint ist. Wagner projiziert hier seine eigenen Gefühle auf Snowden, der ihm augenscheinlich leid tut - wenn auch nicht leid genug, um Musicals und Elvis zu verraten. Moskau als Millionenmetropole als “Niemandsland” zu bezeichen, ist allerdings auch eher gewagt.

 

Ich hoffe, dass Sie jemand da rausholt. Die UNO, die Menschenrechtsorganisationen. 
Für Amerika ist Snowden ein Verräter, für uns ist er ein Held.

Wagner verstrickt sich hier in Widersprüche: eben noch waren “wir” Amerika, jetzt ist Snowden aber für “uns” ein Held, für Amerika jedoch ein Verräter.

 

Wie schön wäre es, wenn der Whistleblower glücklich in einem Bauernhaus lebt mit einer Freundin, die vielleicht schwanger wird. Und sie ein Kätzchen haben und alles gut wird.

Wie schön wäre es, wenn der Kolumnist den Konjunktiv beherrschte oder beherrschen würde, noch dazu, wo er sein Geld doch mit dem Schreiben verdient.

Auch wenn es naheliegt, handelt es sich hierbei übrigens keinesfalls um Wuschdenken, jedenfalls nicht um Wunschdenken als Trugschluss. Das hätte eher so ausgesehen: “Bestimmt holt jemand Sie da raus, so dass Sie glücklich in einem Bauernhaus leben können mit einer Freundin, die vielleicht usw.” Wagner unterstellt seinem Wunsch jedoch keine Erfüllung, und so habe ich an diesem Teil tatsächlich nichts weiter auszusetzen. Dass Wagners heteronormative vielleicht schwangere Bauernkätzchenfantasie möglicherweise nicht Snowdens eigener Vorstellung von Glück entspricht, ist schließlich unerheblich.

Herzlichst,
Ihr F. J. Wagner

Der Ehrlichkeit halber sei hier noch erwähnt, dass ich selbst zu einigen Argumentationstechniken gegriffen habe, die nicht besonders fair oder aussagekräftig sind.

SpottIn erster Linie sind die meisten meiner Entgegnungen von Hohn und Spott geprägt. Ich stelle den Autor in lächerlicher Weise dar, überspitze seine Formulierungen dort, wo das noch möglich ist, und bereite seinen Beitrag zur Belustigung meiner Leser auf.Meta

 

Da nicht alle Sätze überhaupt Argumente sind, entkräfte ich diese selten an der Wurzel, sonderStrohmannn kritisiere ihre Form, ihren Stil und ihre Wortwahl.

 

Gelegentlich verstehe ich Wagner absichtlich zunächst falsch, um dann diese konstruierte Aussage ins Lächerliche zu ziehen.Gegenargument

 

Welchen Standpunkt Wagner auch immer zu vermitteln versucht, ist dieser durch diese Kritik natürlich nicht widerlegt.

 

Das hat mehr Spaß gemacht, als es sollte. In diesem Sinne: Vielen Dank, Franz Josef Wagner.

Herzlichst,

Ihr Klaus Hilgenfelder

37 Responses to “Lieber Franz Josef Wagner
- Eine Reaktion auf Franz Josef Wagners offenen Brief an Edward Snowden

  1. Annepferd Says:

    Genial!

  2. 7_13 Says:

    Ich bin der Meinung, dass des Wagners Geschwurbel so einen Aufwand gar nicht verdient hat.
    Da Sie sich aber die Mühe jetzt gemacht haben:
    Großartig!

    *applaus*

    7_13

  3. meikel1965 Says:

    Sehr guter Beitrag. Ich wünschte mir mehr solcher Sezierungen.

    Ich denke darüber nach. Wenn es besonders schöne Seziervorlagen gibt, nehme ich die gern entgegen.
    Klaus

  4. JensE Says:

    Coole Karten Motive. Da kann man bestimmt ein Politik Quartett oder etwas ähnliches daraus machen. :o)

    Das Quartett gibt es bereits zu kaufen, eine Politikerweiterung ist in Entwicklung.
    Klaus

  5. Madnurse Says:

    Wunderbar! Eine gute Freundin hält ihn ja für eine Kunstfigur, weil so viel Dummheit gar nicht möglich zu sien scheint. ;-)

  6. Harald Says:

    Schön geschrieben, und Wagner ein weiteres mal auseinandergenommen. Aber wozu? Die Leser des Deppenblattes lesen solche Analysen nicht und merken auch gar nicht, welchen Stuss Wagner von sich gibt. Vermutlich dürfte den allermeisten noch nicht mal auffallen, wenn Wagner sich mal wieder selbst widerspricht. Er merkts ja auch nicht, selbst wenn das innerhalb nur zwei Wochen geschieht. Wagner und seine Leser bewegen sich auf dem gleichen geistigen Niveau. Insofern dürften solche Analysen seine Leser kaum erhellen. Und jene, die das Deppenblatt grundsätzlich nicht lesen, lesen halt auch Wagner nicht.

  7. Jeeves Says:

    Vergeblich. Und auch etwas, sorry: zu lehrerhaft. Oberlehrerhaft. Was es Wagner leicht machen würde, drüber zu lachen (wenn er’s lesen würde) und es seinerseits wieder zu sezieren.
    S o kann man ihn nicht lächerlich machen und ‘lächerlich machen’ ist das einzige, was man bei Wagner - wenn überhaupt - tun kann.
    .
    Er wird zu wichtig genommen. Es ist so EINFACH und so LEICHT, das Wagner’sche Geschwurbel auseinander zu nehmen. Und damit Beifall zu bekommen. Schwerer ist es, Leute, die auf der gleichen Seite stehen, aber ebenfalls nur schwurbeln und schlecht schreiben, auf’s Korn zu nehmen. Bestes Beispiel: Henscheids “Erledigte Fälle”. DAZU gehört Mut.

  8. uchawi Says:

    Klasse. Da hat doch selbst Wagner noch was Gutes.

  9. Micha Says:

    Ein wirklich sehr guter Beitrag. Vorallem die Selbstkritik am Ende finde ich ziemlich. Gut.
    Wenn man Interesse an dem rhetorischen Quartett hat, lohnt es sich dann auf die in den Kommentaren erwähnte Politikerweiterung zu warten?
    Bin mal gespannt auf weitere Text Analysen.

    Warten würde ich nicht empfehlen. Das wird Monate dauern, und ist noch im Konzeptstadium. Das Rhetorische Quartett hingegen liegt versandfertig bereit.
    Klaus

  10. Christoph Says:

    Ich wollte schon zu einem krachenden “Sehr schön - ABER!” ausholen. Dann habe ich den Disclaimer gelesen. Chapeau. Vielen Dank!

  11. Braveheart82123 Says:

    hm ich Finde das mich Wagner inzwischen schon mehr als Ehrverletzend
    beleidigt, das beherrscht die Bildzeitung sowieso sehr gut. Ich finde es entwürdigend wenn ich so Sätze lese wie: “Wir sind Papst.”, “Wir sind Bayern.” oder Wir sind Amerika.”

  12. Al Says:

    Zu haarspalterisch, um originell zu sein. Und Snowden hat nunmal bis zu seiner Flucht auch mit einer Frau zusammengelebt, da ist es ein bisschen weit hergeholt, von Heteronormativität zu sprechen…

  13. Philipp Says:

    Eigentlich ist Herr Hilgenfelder noch sehr gnädig mit Wagner. Ich finde, auch eine kritische Analyse des Satzes “Amerika ist mir lieber als Putin” hätte durchaus gelohnt. Denn man könnte ja durchaus hinterfragen, wie sinnvoll es ist, einen Kontinent mit einem einzelnen Menschen zu vergleichen und sich Gedanken zu machen, wer einem lieber ist. Ist mir Afrika lieber oder mein Nachbar? Ist mir Asien/Australien/die Antarktis lieber als Angela Merkel/Sigmar Gabriel/der Typ, der gestern in der Supermarktschlange direkt vor mir stand?
    Man kann Putin vieles vorwerfen. Die Tatsache, dass er nicht New York (mit seinen vielen Wolkenkratzern), Miami, Elvis` sterbliche Überreste und die Musicals permanent mit sich herumtragen kann, gehört wohl eher nicht dazu. Das kann allerdings auch kein Bürger der USA, meines Wissens nicht mal Barack Obama.

  14. Johannes Says:

    Den Satz versteh ich nicht:
    Wir sind es, seit Amerika uns vor den Nazis befreit hat.

    Da steht VOR den Nazis befreit.
    War Deutschland unterdrückt und die USA und die Nazis wollten uns gleichzeitig befreihen, wobei die USA es als erste geschafft haben?

    Du schreibst dazu nur: “Amerika hat uns von den Nazis befreit”.
    Dazu hätte ich gerne noch etwas gelesen. Mir fällt es nämlich schwer, dort etwas sinnvolles reinzuinterpretieren

    Sie haben mich erwischt. Das ist mir tatsächlich nicht aufgefallen. Ich schäme mich. Es tut mir leid. Ja, daraus hätte man eine ganze Menge machen können.
    Klaus

  15. D.Ertel Says:

    … schön zerpflückt … ganz großes Kino … und viele (unangenehme) Wahrheiten. Danke.

  16. Kuli Says:

    Gibt es auch Karten für “Herabwürdigung” und “Lächerlich machen”?

    Das würde ich unter “Spott” zählen.

    Die würden zu dem Satz “Ja, vielleicht sind Sie der Gandhi des Internet, der Lech Walesa des Netzes.” passen. Damit beleidigt er nicht nur Edward Snoden, sondern das ganze Internet. Indem er Snowden einerseits auf eine absurd hohe Position stellt, diese aber mit “des Netzes” gleich wieder in einen verniedlichenden Kontext setzt. So als könne jeder dahergelaufene Whistleblower mal eben der König des Internet werden, aber im wirklichen Leben zusammen mit Josef Wagner, ja daaa…..

    Da haben Sie recht. Auch Ghandi und Walesa als Platzhalter für generisches Heldentum muten seltsam an. Was genau hätten diese im Internet bewegt, und wie, und wäre es mit Snowden in irgendeiner Form vergleichbar gewesen?

    Dazu natürlich weiter der hinkende Vergleich nicht nur mit Gandhi/Walesa, sondern auch mit dem Netz: Snowden hat sicher deutlich weniger mit dem Internet zu tun als sein früherer Arbeitgeber, die NSA. Aber was interessiert das einen Wagner.

    Das war auch interessant: dass es im ganzen Beitrag nicht einen Hinweis auf den Ursprung, den Offenlegungen Snowdens, gab - es könnte sich quasi um jeden handeln, solange er nur von den USA verfolgt würde.
    Klaus

  17. Bild_Redakteur Says:

    Als mündiger DE Bürger erkenne ich FJW’s Snowden Text als das was es ist:
    geistiger Blödheitserguss. Aber in seiner Stresssituation, wieder einmal kein Test geliefert zu haben, trotz unserer Aufforderung endlich was abzuliefern, der zuständige ausgebildete Online-Satzredakteur brauchte noch unbedingt etwas um die Spalte zu füllen und sein immer leerer werdendes Gehaltskonto entschuldigen dies doch. UND..es hat die Redaktion und mich einfach erheitert.

  18. John Lenin Says:

    prima! bis auf den punkt, den ich auch angeführt hätte: dass irgendjemand “uns” von (dass da “vor” steht - geschenkt) den nazis befreit hätte, ist die größte klitterung, denn “wir” WAREN die nazis. lächerlich bzw. propaganda, so zu tun, als wären das zwei gewesen, die deutschen und die nazis.

    Sie haben so Recht! Mir war der Satz auch ungeheuer unangenehm, aber Sie haben auf den Punkt gebracht, warum.
    Klaus

  19. Peter Gutbrod Says:

    Ich finde ihren Text sehr gut und aufschlussreich. Er hat jedoch - relativ am Anfang - bereits einen ziemlich großen Fehler:

    “Nun ist Deutschland allerdings schon eine Weile ein souveräner Staat.”

    Nein ist er nicht. Deutschland in der jetzigen, nach-1945-Form, war nie ein souveräner Staat. Politisch gesehen ist Deutschland eine von den “Siegermächten” (wenn man es so formulieren möchte) verwaltete GmbH.

    Auch wenn der Kollege hier etwas viel (Eigen-)Werbung macht, er belegt alle seine Behauptungen mit fakten, die man nachlesen kann. Einfach mal durchlesen.

    http://www.youtube.com/watch?v=I6atYOTnffM

  20. J. Says:

    Das Quartett gefällt mir im Prinzip, aber beim Durchschauen einiger Beispielkarten bekomme ich den Eindruck, sie wurden von Kiffern entwickelt:

    Moralischer Legalismus: „Wenn Cannabis unschädlich wäre, wäre er nicht illegal“

    Dammbruch: „Wenn Gras erst einmal legal ist, müssen wir bald auch Heroin erlauben!“

    Schade eigentlich.

    Man könnte genausogut sagen, die Karten seien von Religions- und Esoterikkritikern erstellt worden - ich habe versucht, Beispiele zu wählen, die man in dieser Form auch tatsächlich hört.
    Klaus

  21. yak Says:

    Irgendwie finde ich schade, daß nicht näher darauf eingegangen wurde, wie Herr Snowden (und mit was für einer Partnerin) Katzen zeugen will.
    ( ^^)v

    Ich möchte diesen Kommentar gerne ablehnen, um einfach noch einmal auf “zustimmen” klicken zu können. Danke dafür!
    Klaus

  22. mikerolli Says:

    In meiner persönlichen Hitparade der dümmsten Ausführungen, die ich je gehört oder gelesen habe, ist Wagners Brief an das Higgs-Teilchen noch weiter vorn als der hier besprochene. Rekordverdächtig blöd und kaum zu schlagen dagegen die Statements von Beckenbauer zur Sklaverei in Katar. Vielleicht kann sich Klaus die ja auch mal vornehmen.

    Je mehr Zeit vergeht, desto sinnloser wird es leider, sich so etwas noch einmal vorzuknöpfen. Wenn es aber aktuellen Blödsinn gibt, zögern Sie nicht, ihn mir zu melden - vielleicht finde ich die Zeit.
    Klaus

  23. Tino Says:

    “Wir sind es, seit Amerika uns vor den Nazis befreit hat.”

    Ich bin mir auch nicht wirklich sicher, ob die Nazis “uns” ebenfalls befreien wollten und Amerika bloß schneller war. Wenn ich da keinen Revisionisten aufgesessen bin, war es doch eher so, dass uns Amerika von den Nazis befreit hat, aber nicht vor den Nazis befreit.

  24. blabla Says:

    Man hätte durchaus noch darauf hinweisen können, welche Geschichtsklitterung in dem Satz: “Wir sind es, seit Amerika uns vor den Nazis befreit hat.” steckt.
    Mal wieder die schöne Mär von “den Deutschen” als den “ersten Opfern” der Nazis, die dann in der Konsequenz auch “befreit” worden wären. Wer hatte damals 1933 in einer demokratischen Wahl nochmal ebenselbe Nazis als Regierung legitmiert? Wer die ganze Zeit stillgehalten? Und beim Gebrüll vom “totalen Krieg” am Ende noch mitskandiert? Das waren doch diese ominösen “Deutschen”…
    Befreit wurde das europäische Judentum (und alle weiteren Verfolgten und Insassen der KZs) vor der vollständigen Vernichtung und die Welt vor den grössten Kriegstreibern der Geschichte. Die Nazis waren keine Aliens mit hypnotischen Fähigkeiten sondern aus der Mitte des deutschen Volkes durch dieses Volk berufen…
    ähhm lese gerade, dass es entsprechenden Hinweis schon weiter oben gab…

  25. Croves Says:

    Ein sehr sehr schöner Beitrag; ich habe sehr gelacht. Weil er eben nicht wutschäumend über den Wagner’schen Sermon ist, sondern sehr sachlich und deshalb umso komischer.

    Gut finde ich, dass in dem Beitrag behauptet wird, der Autor (scil. Wagner) habe einen Dachschaden. Hoffentlich klagt er gegen diese Behauptung nd muss vor Gericht das Gegenteil beweisen. Das wird ihm kaum gelingen.

  26. politfrust Says:

    Ein toller Beitrag. Ich werde hier nun regelmässig vorbeisurfen…

  27. Matthias Says:

    Tolle Analyse dieses schrecklichen Schmierenfinks. Man liest zu oft diese Texte und sie stoßen einem unangenehm auf, allerdings kann man manchmal nicht verstehen, warum sie das tun. Nun kann ich es, danke dafür.

    Ein wenig Oberlehrerhaft nun aber auch ich:

    Der korrekte Konjunktiv wäre “er beherrsche”, da der Konjunktiv I und nicht der Konjunktiv II bzw. dessen Ersatzform mit “würde” gefordert ist.

    Das ist aber nun wirklich der einzige Fehler, den ich in der Analyse finden konnte.

    Beste Grüße und weiter so,
    Matthias

  28. strawberry Says:

    Das Kartenspiel ist ja eine völlig akzeptable Idee, um aus dieser schönen Sammlung rhetorischer Kniffe ein wenig Kleingeld zu schlagen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei (ich habe selbst einmal etwas in dieser Art versucht und weiß, dass 15 EUR bei kleinen Kartenspiel-Auflagen sehr nahe am Selbstkostenpreis liegt).

    Noch mehr wünsche ich mir aber, dass Sie vielleicht eines Tages eine Sammlung von Icons daraus entwickeln, die in Internetforen eingesetzt werden kann. Es wäre doch schön, wenn diese Rhetorik-Icons dort so gebräuchlich würden wie es heutzutage der Emoticon-Smiley und seine springenden und grimassenziehenden Verwandten sind.

  29. fein Says:

    Den Vorschlag von strawberry finde ich ausgezeichnet.

  30. Barbara Says:

    Grandios! Dieses Blog gehört ab sofort zu meinem ständigen Leseprogramm!

  31. Hans Post Says:

    Jens Oliver Haas hatte Gelegenheit, Franz Josef Wagner ein paar Stunden über die Schulter zu schauen und berichtet uns, wie eine “Wagner-Post” für die ”Bild” entsteht. Hier zu lesen:

    http://www.tornante.pf-control.de/blog1/?p=12441

  32. Philipp Says:

    @strawberry, super Idee!
    Etwas in der Art ist mir vor einiger Zeit untergekommen, nur auf Englisch: https://yourlogicalfallacyis.com/

  33. Gerrit Says:

    Letztlich ist Wagner doch einfach eine sehr verstörende, aber niemals langweilige Form der Poesie. Man sieht die Bilder im eigenen Kopf entstehen. Eine ganz eigene Sprache wird praktiziert, schwer nachzumachen.

    Hässlich ja. Aber Kunst muss nicht schön sein.

    (Lediglich die Platzierung in der BILD, wo die Poesie nicht als solche aufgegriffen werden kann, wegen des Bildungsgrads der Leserschaft, wird die Sache manchmal nicht nur hässlich, sondern gefährlich.)

  34. christian Says:

    Exzellent! Bitte aber auch bei Mexiko entschuldigen, das gehört zu Nordamerika und die haben es sowieso nicht leicht.

  35. Lockez Says:

    Franz Josef Wagner? Wer ist das denn ?
    Aus welcher Ecke kommt denn der Typ angekrabbelt ?
    Hatte der arme, arme kleine Wagner kein guten Deutschuntericht ?
    Könnte man den Herrn Wagner nicht Asyl in den USA anbieten (Am besten mitten im Yellowstone Nationalpark) ?
    Und wer schreibt denn seine Briefe ?

    Da stellen sich mir Fragen über Fragen….

  36. Lars Mielke Says:

    F.J. Wagner braucht man nicht lächerlich machen. Das erledigt der schon von allein.
    Ob diese “Sezierung” seiner Tastaturvergewaltigung nötig war oder nicht - lustig war sie auf alle Fälle. Nein, ich mache mir keine Illusionen darüber, ob ein BLÖD-Leser über den Tellerrand schaut und diesen genüsslich zelebrierten Verriss hier findet; es reicht wenn ich ihn (den BLÖD-Leser) doof finde. Und sage mir keiner, das mache man nicht, das gehöre sich nicht usw. usf.

  37. dermehler Says:

    Meine Fantasie geht grad mir mir durch…und stelle mir vor FjW würde so mir auch verbal mit seiner Umwelt kommunizieren! Echt gruselig..Aber grosses Lob für diese “Leichenöffnung”,hoffentlich ist kein Schaden davon geblieben.

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